Praxis für Kardiologie
Dr. med. Haico Brüning

Ergometrie (Belastungs-EKG)

Mit dem Ruhe-EKG können z.B. Durchblutungsstörungen des Herzens nur bedingt erkannt werden. Für diese Fragestellung wird eine spezielle EKG-Untersuchung genutzt: die Ergometrie. Hierbei wird versucht, durch genau definierte Fahrrad-Belastungen die Durchblutung des Herzens zu testen. Beim Belastungs-EKG werden die Herzstromkurven des EKGs vor, während und nach körperlicher Belastung aufgezeichnet. Es dient vor allem der Erkennung von Durchblutungsstörungen infolge von Verengungen der Herzkranzgefäße und von Herzrhythmusstörungen. Es erlaubt die Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der Blutdruckregulation bzw. Blutdruckeinstellung unter blutdrucksenkender Therapie.

Dabei entsprechen:
      25 bis 50 Watt = normalem Gehen
      75 bis 100 Watt = zügigem Gehen, Treppensteigen, langsamem Radfahren, Schwimmen
      150 Watt = Joggen, mittelschnellem Radfahren

Vor dem Belastungs-EKG wird zunächst ein Ruhe-EKG abgeleitet. Beim anschließenden Belastungs-EKG wird oft die Fahrradergometrie eingesetzt. Hierbei handelt es sich um ein stationäres Fahrrad. Es gibt Liege- oder Sitzfahrräder. Meist wird die Belastungsintensität alle zwei Minuten um 25 bis 50 Watt gesteigert. EKG und Blutdruck werden zumeist am Ende jeder Belastungsstufe gemessen. Fünf bis zehn Minuten nach Belastungsende werden das EKG und der Blutdruck in der Erholungsphase erneut erfasst.

Beim Belastungs-EKG werden die Arbeitsleistung und mögliche Veränderungen der Herz- und Kreislauffunktion gemessen. Folgende Krankheiten lassen sich diagnostizieren und beurteilen:       

  • Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit = KHK)
  • Bluthochdruck unter körperlicher Belastung (Belastungshypertonie)
  • Herzrhythmusstörungen unter körperlicher Belastung
  • Überprüfung der medikamentösen Therapie bei KHK, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen
  • Belastbarkeit nach Herzinfarkt und Herzoperationen


Während der Belastungsuntersuchung steht der Patient unter ständiger Überwachung. Bei eventuell auftretenden Beschwerden wie Luftnot, Brustschmerzen oder Schwindel aber auch bei krankhaften Veränderungen der Blutdruckwerte oder der Herzstromkurve wird die Belastungsuntersuchung vorzeitig abgebrochen.

Unter Belastung muss das Herz ein höheres Blutvolumen pro Zeiteinheit pumpen. Beim Vorliegen einer Einengung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) wird die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Herzmuskels beeinträchtigt, wobei dies in der Frühphase zunächst nur unter Belastung auffällig sein kann. Erst bei stärkerer Einengung der Herzkranzgefäße reicht der Blutfluss in den Herzkranzgefäßen auch in Ruhe nicht mehr aus.

Durch diese Mangelversorgung wird der typische Brustschmerz (Angina pectoris) und die Veränderungen in der Herzstromkurve im Belastungs-EKG hervorgerufen.